Was will ich bewirken?

Photocredits Jens F. Kruse 2022

Will das jemand hören?

Viele innere Schichten Schweigen haben sich in vielen Körpern immer breiter gemacht und immer breiter. Bis da kein Platz mehr war für das wahre Leben, die wahre Leidenschaft, das wahre Wort. In meinem Körper auch.

Wie kommt man aus dieser Spirale der Wahrheitsverschweigung  ( kann man das so sagen? ) raus? Wie unterbricht man das eigene Schweigen und was passiert dann? Bei mir hat das Jahre gedauert und rückblickend habe ich das Gefühl, ich bin mein Leben lang ausgebildet worden. In Zuhören. Anderen Menschen.

Dann kam ein Wendepunkt und dann kam eine Wortflut und ich kam aus dem Schweigen in die Erzählung, aus der Erzählung in eine Schwingung und aus der Schwingung in eine neue Verbindung zum Leben und zu mir selbst.

Meine Mission ist simpel: Mit 1 Million bisher ungehörter Stimmen, die  1 Million unerzählte und ungehörte Geschichten aus dem Weltgeschichtenkörper lösen und so  das weibliche Narrativ verändern. Ein neues Bewusstsein prägen, damit Geschichten entstehen, die im Einklang sind mit der Erde in uns und um uns.

In der Folge wird das die Erdtemperatur senken, das wirtschaftliche Gleichgewicht in eine restorative Lage bringen und die Führungskultur in Deutschland und der Welt raus aus der machtvollen Steuerung in eine emphatische Führung begleiten.

 

 

Der Tanz um den Sinn des Lebens, meines Lebens

Irgendwie war immer sehr viel Stille in meinem Leben. In mir, um mich, in den Dingen, an die ich mich erinnere. Als Neugeborenes Schreikind hatte ich Contergan bekommen. Niemand konnte oder wollte sich mit den Gründen für mein Schreien befassen.

Also habe ich diesen Schlafsaft bekommen. Er hat gewirkt, wie mir meine Mutter sehr viel später erzählt hat. Als die ganzen Nebenwirkungen von Contergan dann bekannt wurden, hat sie ihn wieder abgesetzt, aber da hatte ich schon begriffen, dass Stille angesagt war.

Auch das Wasser war still bei uns

 

Angeblich war das gesünder. Meine Schritte waren still, denn ich hatte als Kind Schuhe mit Kreppsohlen,  weil die besser für die Füsse waren. Wir mussten still sein, wenn Erwachsene redeten und auch in der Schule war Stille angesagt, wenn die Lehrer sprachen, weil das wohl besser für die Erwachsenen war.

Der Sinn des Lebens schien darin zu bestehen, still zu sein, nicht zu stören und darin immer besser zu werden. Das tat ich! Feine Antennen wuchsen mir in dieser Zeit, die immer früher erkannten, was die Menschen um mich brauchten, wie sie es brauchten und wann. Ich hatte begonnen Menschen zu lesen und zu hören. Auch wenn sie kein Wort sprachen.

Allerdings hatte ich dabei auch einige Male kein gutes Händchen und es ist mir nicht so gelungen, auch wirklich auf die Bedürfnisse in meiner Familie und in der Schule einzugehen. Meistens war dann Angst im Spiel. Wie z.B. wenn wir eine Matheschulaufgabe schreiben sollten und ich wusste, dass ich keine Ahnung hatte. Das war noch in der Grundschule und ich war so 7 Jahre alt. Ich musste mir also etwas einfallen lassen, um nicht mitschreiben zu müssen.

Die ungesehene, unerkannte Wirksamkeit

 

Damals habe ich begonnen, bewusst Umstände zu kreieren. In diesem Fall eine Blinddarmentzündung. Allerdings musste ich die Mathearbeit trotzdem schreiben, denn die Lehrerin hat gewartet, bis ich wieder gesund war. Aber das ist eine andere Geschichte. Was gezählt hat, das war meine erfolgreiche Kreation einer Blinddarmentzündung. ( Ich habe mich tatsächlich operieren lassen! )

Ich habe im Laufe meines Lebens sehr viele Umstände bewusst geschaffen, war sehr erfolgreich darin, ohne es wirklich zu wissen oder zu bemerken. Ich habe wirklich alles erreicht, was ich erreichen wollte. Aber es waren lauter Dinge, die im Grunde genommen nicht wirklich meinem inneren Lebensentwurf entsprochen haben. Oder vielleicht doch?

Es waren Vermeidungsstrategien einerseits und Zugehörigkeitsstrategien andererseits.  Ich habe vermieden zu extravagant, zu speziell, zu wählerisch, zu besonders und zu anders zu sein. Alle Impulse, die in diese Richtung gegangen sind, habe ich unterdrückt, boykottiert und unsichtbar gemacht. Ich habe nicht bemerkt, dass ich mir so selbst den Lebenssaft abgedreht habe.

Gepaart mit der Zugehörigkeitsstrategie, die mich permanent in Ausbildungen gebracht hat, die eigentlich gar nicht dem entsprachen, was ich wirklich wollte, die mir aber das Gefühl von Zugehörigkeit ( zu meiner Familie ) gegeben haben.

Es gab einen einzigen wirklichen Versuch, beruflich in die Richtung zu gehen, in die ich wirklich wollte

 

Grafik & Design. Damals habe ich einen Termin in einer Werbeagentur wahrgenommen. Ich wollte wissen, ob ich auch ohne Studium in dieser Werbeschmiede arbeiten kann. Der Eigentümer hat mich während des Gesprächs gebeten, einige meiner Zeichnungen beim nächsten Mal mitzubringen, damit er eine Vorstellung bekommen kann, wie ich arbeite.

Zu diesem Gespräch bin ich mit ziemlicher Vorfreude gefahren. Meine gesammelten Werke im Gepäck. Nur leider war der Termin geplatzt. Der Chefdesigner hatte ihn schlicht vergessen. Das wars für mich. Keine weiteren Versuche mehr in diese Richtung. Ein Teil war froh, dass dieser Kelch an mir vorbeigezogen ist. Ich mich verstecken konnte. Ein anderer Teil war irgendwie gestorben.

Das Gegenteil der Leichtigkeit und warum ich mich dafür entschieden habe

 

Ich erinnere mich an einen weiteren entscheidenden Moment nach meinem Abitur, wo ich vor der Frage gestanden bin, was ich machen möchte mit meinem Leben. Ich spüre diesen Moment noch heute: Will ich meine Lebeleichtigkeit pflegen und es mir nicht kompliziert machen oder möchte ich in die Tiefe gehen. Wissen wollen und weg von der Oberfläche, dem Offensichtlichen, in diese Lebenstiefe abtauchen.

Es war wie rechts oder links abbiegen. Ich bin abgebogen in die Tiefe und habe der Leichtigkeit den Laufpass gegeben. Irgendwie war ich der Überzeugung, dass das zusammen nicht geht. Jedenfalls nicht in meiner Vorstellung. Denn in meiner Familie wurde Lebeleichtigkeit mit Skepsis beobachtet und auch kommentiert.

Ich bog ab in ein Dolmetscher,-und Übersetzerstudium. Sprachen lagen mir und man konnte eventuell viel reisen als Dolmetscherin. Das lag mir auch. Was viel zu kurz kam, war meine Kreativität, das Schöne gestalten.

Das Studium war eine echte Herausforderung, denn ich habe neu mit Spanisch angefangen und es ging wirklich rasant los. Nach 3 Einführungssemestern gleich mal die Antrittsrede von Ernesto Cardenal aus dem „Spiegel“ damals ins Spanische übersetzt. Ich saß Wochen an der Übersetzung und es war so ziemlich jedes 2. Wort falsch. Mal ganz abgesehen von der Grammatik.

Es war ein persönlicher Einbruch dann, der dazu geführt hat, dass ich mein Studium unterbrochen habe. Dieser persönliche Umstand war: eine Lüge. Mein damaliger Freund hat mich belogen und diese Lüge war so schwerwiegend für mich, dass ich nicht ihm den Laufpass gegeben habe, sondern mich für eine andere Ausbildung entschieden habe: Ich wurde auch Masseurin. Wie er Masseur war und meine gesamte Familie Masseure waren.

Ich war eine von ihnen damit. Dieselbe weisse Kleidung, dieselben Themen, derselbe Rhythmus, dasselbe Leben. Zugehörigkeit war mein Thema. Ich dachte immer, Zugehörigkeit kostet etwas, hat Bedingungen, ist nicht einfach so zu haben. Gibt es nicht umsonst. Der Preis war hoch!

Wendepunkte sind Wachstumsbeschleuniger

 

Denke ich heute darüber nach, dann spüre ich, wie klassisch mein Leben hätte verlaufen können. Mit 14 meinen damaligen Freund kennengelernt. Es hat soviel gepasst, zwischen den Familien und dann auch zwischen uns, dass so nach etwa 4 Jahren klar war, dass wir heiraten würden. In meiner Vorstellung hatten wir Kinder und ein wunderbares Leben. Dann kam die oben erwähnte Situation, die alles verändert hat. Zunächst habe ich versucht noch zu retten, was zu retten war, aber das hat nicht funktioniert und 1 Jahr später, ich war gerade 21 geworden, da habe ich mich von ihm getrennt.

Und damit war der Traum von der Hochzeit und den Kindern und dem schönen Leben erstmal ausgeträumt und ich fühlte mich danach unendlich frei und das Leben fühlte sich wunderbar an und voller Möglichkeiten. Ich habe meine Masseurausbildung abgeschlossen, mein Klinikum gemacht und bin dann für 6 Monate als Masseurin nach Teneriffa in eine Beauty Farm gegangen.

Diese Zeit war die erste Zeit, in der ich alleine unterwegs war. Keine Familie in der Nähe, keine vertraute Umgebung, keine Freunde.  Obwohl ich eine neue Liebe in Deutschland hatte.

Alles war neu und abenteuerlich und wunderbar. Zunächst. Ich wohnte mit 5 Kosmetikerinnen in einem alten Haus am Hafen und wir haben es ordentlich krachen lassen dort. Das war nicht meine gewohnte Lebensart, aber ich habe mich wohl gefühlt in dieser Freiheit, mit diesen Mädels und Jungs, die eine wirklich coole Gemeinschaft waren.

Ich habe damals eine andere Seite von mir entdeckt und die war frei, unabhängig, lebenslustig, neugierig, lebeleicht, spontan. Und auch faul.

Aber auch hier habe ich mich im Grunde an meine verinnerlichten Regeln gehalten. Habe nicht vollkommen los gelassen von meinen Plänen in Deutschland und bin vorzeitig nach Hause abgereist, denn die Beauty Farm war ein ziemlich großer Schwindel, dem wir alle erlegen sind. Wir sollten billige Arbeitskräfte sein und das passte nicht zu meinen Werten. Ich habe gekündigt. Schweren Herzens.

Als ich dann wieder in Deutschland angekommen war, da war ich nicht mehr dieselbe. Nicht mehr so leicht zu bewegen im Sinne der anderen. Ich hatte meinen Eigensinn entdeckt und der wollte frei sein, selbst entscheiden, Freiraum haben. Das hat meine Beziehung damals ziemlich schwierig gestaltet am Anfang.

Ganze 3 Monate brauchte ich um mich wieder einzugewöhnen und in diesen 3 Monaten habe ich entschieden mein Studium wieder aufzunehmen, denn ich war nahezu perfekt in Spanisch geworden und hatte Lust auszuprobieren, wohin das führen würde.

Also fuhr ich einen Monat später wieder an die Uni in Köln, arbeitete nebenbei in der Praxis meiner Eltern und verdiente nettes Geld für ein unbeschwertes Leben. Es begann Spaß zu machen, das Leben so. Ich hatte Erfolg und kam spürbar vorwärts. Die Uni war nicht mehr so ein Dinosaurier, der mich drohte zu fressen.

Ausserdem hatte ich ganz nebenbei meinen ersten Dolmetscherjob in einer Textilmaschinenfabrik bekommen. Ganz ohne mein Zutun, an der Massageliege. Eine Patientin war dort Assistentin der Geschäftsleitung und sie wusste, dass ich Spanisch studierte mit Schwerpunkt Maschinenbau. Der Dolmetscher war ausgefallen und sie suchten Ersatz.

Mit ziemlich wackeligen Knien erschien ich in der folgenden Woche dort und dolmetschte eine Schulung an einer der Textilmaschinen, die dort gebaut wurden. Natürlich hatte ich vorher die gesamte Bedienungsanleitung quasi auswendig gelernt und alles klappte wunderbar. Das war eine tolle Erfahrung, die wir dann regelmässig wiederholt haben.

Zwei Jahre später zog mein damaliger Freund, der später mein Mann werden sollte, nach München um bei BMW seine Arbeit zu beginnen. In dem darauffolgenden Sommer verlobten wir uns dort, machten eine Alpentour mit dem Motorrad und ich fuhr wieder nach Hause nach Mönchengladbach, um meine letzten Klausuren zu schreiben.

Ich wusste damals nicht, dass ich schwanger war. Das kam ein paar Wochen später dann bei einem B-Test raus und damit war mein Leben in eine völlig neue, unerwartete Richtung unterwegs. Ich wurde Mutter. Wir heirateten noch im selben Jahr und ich zog nach München. Schrieb meine Diplomarbeit dort und fuhr kurz vor der Geburt unserer ersten Tochter nach Köln zu meinem Kolloquium.

Eine Achterbahn von Gefühlen begann,

 

denn zeitgleich bekam mein Vater die Krebsdiagnose mit unheilbarer Prognose. Es war Anfang und Ende in einem Jahr. Und der Beginn einer langen und schmerzhaften Reise zu mir selbst, die mich in alle Tiefen geführt hat. Unterwegs hatte ich das Gefühl, so alt nie wirklich werden zu können, wie ich mich unterwegs fühlte.

Viele alte Themen, viel Trauerarbeit, viel transgenerationale Arbeit und irgendwie kein Ende in Sicht. Ich habe noch 2 wundervolle Kinder auf die Welt gebracht, habe versucht alles unter einen Hut zu bekommen und meinen Kindern eine gut begleitete und beschützte Zeit des Wachsens zu ermöglichen. Immer wieder unterwegs mit der Frage: Was ist der Sinn meines Lebens? So viele neue Lebensrollen waren auf einmal zu erfüllen und unter einen Hut zu bringen.

Drei Kinder und den dazugehörigen Haushalt gestalten. Einmal im Jahr nach Mönchengladbach fahren in die besagte Textilmaschinenfabrik, deren Schulungen ich dolmetschte und daneben technische Übersetzungen machte. Regelmässig arbeitete ich bei einem Orthopäden in der Nachsorge und eröffnete das erste Kindercafé bei uns im Ort. Immer auf der Suche nach meiner wahren Identität.

Später dann kam noch eine Psychoanalyse dazu, die mich 3x in der Woche für 50 Minuten auf die Couch beförderte. Insgesamt 6 Jahre. Die Suche nach meiner Identität. Ich erwähnte das schon.

Die schien sich irgendwie zu verstecken. Jedenfalls bekamen wir keine Verbindung hin. Meine Bestimmung und ich. Da war immer eine große Leere. Ein Nichts, wenn ich an mich und meinen Sinn dachte. Irgendwie machte ich keinen Sinn. Da konnte ich mich anstrengen wie ich wollte. Transgenerationales Trauma und PTBS nach dem 2. Weltkrieg, das waren neue Worte geworden in meinem Leben. Beides hatte mein Fühlen und Handeln maßgeblich bestimmt.

Bis der nächste Wendepunkt kam

 

Der Tod ist ein großer Lehrer und er hat mich in eine vollkommen neue Lebensrichtung gedreht durch seine massive Präsenz. Meine Mutter wurde schwerkrank und verstarb innerhalb von knapp 2 Jahren viel zu früh. Ich war nicht bereit, sie wirklich gehen zu lassen, aber ich hatte keine Wahl. Sie ging. Und in der Folge meine beste Freundin im gleichen Alter wie ich damals ( 43 ) und dann weitere 3 Monate später starben noch 3 meiner Freundinnen in diesem Alter.

Ich konnte nicht mehr so weiter machen, wie bisher. Diese Tode hatten mich vor die Wahl gestellt: Wahr und wirklich werden, oder krank oder auch sterben. Das waren die Optionen, die sich auftaten und ich wählte innerhalb von Sekunden: Wahr zu werden. Wahr zu sprechen. Wahr zu fühlen. Wahr zu handeln. Das war folgenreich und voller Emotionen, die ich so lange zurückgehalten hatte.

Erst begann ich zu laufen. Immer länger und immer schneller. ich verlor insgesamt 10 Kilo innerhalb von 6 Wochen und passte nicht mehr in die gewohnte Kleidung. Das neue Körpergefühl entdeckte ich erst, als ich langsam innerlich runter kam.

Ich packte unseren Familienbus, nahm mir eine Familienauszeit , was mir unendlich schwer gefallen ist, was körperliche Schmerzen verursacht hat und mich in tiefe Einsamkeit gestürzt hat unterwegs. Ich vermisste meine Kinder, mein Leben, unser Haus, das Vertraute, das Bekannte, die Nachbarn, die Normalität, die Struktur und Sicherheit. Mein Herz blutete und ich wusste nicht, wohin mich dieser Weg führen würde.

Zwischendurch musste ich anhalten, weil meine Tränen mir die Sicht versperrten auf die Strasse, während ich die Musik hörte, die mir mein damaliger Mann mit auf den Weg gegeben hatte. Wir hatten wohl beide verstanden, dass wir nicht wirklich wahr waren zusammen. Er hatte verstanden, was ich wirklich vermisst habe und was wirklich nicht gut gelaufen ist zwischen uns.

Diese Erkenntnisse waren heilsam und schmerzhaft zugleich

 

Wann endlich würden die Lebensschmerzen aufhören und alles beginnen Sinn zu machen? Wann endlich würde es die Lebensfeier geben, die nie stattgefunden hatte. Wann endlich würde sich ein Gefühl von innerem Frieden einstellen und eine Ordnung auslösen, die unsere Beziehung neu zusammenfügen könnte? Tief in mir wusste ich, dass das nicht stattfinden würde. Nicht so.  Ich wusste, dass wir uns trennen werden und ich wusste, dass das alle unsere Herzen brechen würde. Jedes einzelne Herz würde bluten.

Aber es blieb keine andere Option in mir. Das Vertrauen in diesen Weg war weg. Es hatte sich ein anderer Weg geöffnet und es gab dieses Zurück nicht. Damals habe ich 6 Wochen an der Nordatlantikküste verbracht. In mir nichts als Schweigen zunächst. Ich habe dort am Meer gelegen und gesessen mit meinen vielen Fragen, aber das Meer kam und ging. Die Wellen rauschten, aber sie brachten keine Antwort.

Dieses Bild ist dort entstanden am Nordatlantik zwischen den Flutlinien

Alte Briefe hatte ich mitgenommen. Von meinem Vater an mich. Von meinem Großvater an meine Mutter. Ich legte sie dort an die Flutlinien. Sah, wie sie Schatten warfen in den Sand und in mein Leben.  Ich versuchte sie zu trocknen, die Worte, sie zu verflüssigen oder zu vergessen.

Briefe meines Vaters an mich. Die sogenannte Luftpost

Aber sie blieben, was sie waren. Worte, Sätze, Vermächtnisse.

Briefe meines Großvaters an meine Mutter. Die sogenannte Feldpost

Als ich schon fast wieder abfahren wollte, da plötzlich kam so eine Art Erkenntnis. Wie ein Blitz hatte ich das Gefühl des Erkennens. Vom Sinn, den alles machte. Ich auch. Ich erkannte plötzlich, dass die Worte niemandem gehören. Dass ich eigene Worte finden und haben darf. Dass ich mit ihnen auf meine ganz eigene Art umgehen darf und sie meinen Sinn machen. Ich den Ort im Wort finde und überall Wurzeln der Zugehörigkeit spüre.

Nach der Wortebbe war die Wortflut gekommen … an den Lebenslinien des Atlantik

Dass das Leben, genau wie die Wellen, ein Kommen und Gehen ist und dass alles seinen Rhythmus hat. Ich auch. Alles kommt und geht. Sinn kommt und geht. Bereitschaft kommt und geht. Identität kommt und geht. Alles ist in ständiger Veränderung. Jeder Schwerpunkt kann sich verlagern, jedes Wort neuen Sinn machen. Jede Leere sich füllen und jede Fülle sich leeren.

Das machte Sinn für mich. Ich machte Sinn für mich. Ich hatte das Gefühl, mein Leben gerade neu geschenkt zu bekommen. Von einem Moment auf den anderen. Vom Meer, den Elementen, den Seelenkräften, die da mitweben an einem Wortteppich, den ich feierlich übernahm.

Meine Zeit nach Hause zu fahren war gekommen. Es war kein leichter Weg, aber ich fuhr auf dem Rückweg mit tiefer Selbstverbundenheit und das gab mir Kraft für alles, was dann kam. Das war ein kompletter Klärungsprozess in meiner Beziehung, eine komplette Lebenswende. Das Ende von etwas, was nie enden sollte. Aber es war wie die Wellen. Ein Kommen und Gehen.

Wir hatten uns verloren unterwegs, aber wir hatten auch begonnen, wertzuschätzen, was wir gewonnen hatten unterwegs. Unsere Kinder, die gemeinsamen Wege und Erfahrungen, ein neues Bewusstsein für das Leben jetzt. Es mischte sich Dankbarkeit unter den Schmerz. Wir waren weit gegangen.

Einen ganzen Monat haben wir gemeinsam geredet und es durfte heilen, was so verletzt worden war. Nach diesem Monat bin ich nochmal an den Nordatlantik. Wollte länger bleiben, weiter gehen und letzte Klarheit gewinnen. Ich konnte die Entscheidung nicht so schnell treffen, obwohl ich wusste instinktiv, dass sie bereits gefallen war.

Ich habe mir eine kleine Wohnung direkt am Meer gemietet für 2 Monate und ich habe begonnen, die Gegend zu erkunden. War an der Uni in Santander, wollte immer schon in Spanien einmal studieren, aber das war nicht im Rahmen meiner Vorstellung mit 44 nochmal zu studieren. Trotzdem ist es so gekommen. Neugierig bin ich damals in die UC Cantabria, wollte die Luft dort schnuppern und im Eingang stand ein großes Plakat mit einem Angebot: Ein dreisprachiger internationaler MBA.

Um es kurz zu machen: Ich bekam einen Studienplatz. Innerhalb weniger Minuten quasi. Ich bin dann kurz vor Weihnachten wieder nach Hause. Habe mich dann wirklich getrennt und eine Wohnung gemietet im Nachbarort. Für meine Kinder begann eine schwere Zeit. Für uns alle begann eine schwere Trennungszeit. 9 Monate später fuhr ich in meinem Auto nach Santander und mein Studium begann.

Ich war oft genug kurz vor einer Panikattacke, denn ich hatte 20 Jahre fast kein Englisch mehr gesprochen und auch nur wenig Spanisch. Ich war ein Computeranalphabet und ich habe 20 Jahre keinen Kontakt zur Wirtschaft gehabt. Statistik war mein Alptraum, aber ich bin durch diese Zeit gemeinsam mit meinen jungen Kommilitonen gekommen. Habe mir eine Wohnung mit einem spanischen Schauspieler geteilt und hatte wunderbare Menschen kennengelernt.

Meine Kinder kamen mich besuchen. Ihre studierende Mama und wir haben es gut gehabt. Trotz allem. Ich habe meine Kinder für ihre Resilienz bewundert, für ihre Lebenskraft und ihren Lebenswillen und war so dankbar, sie um mich zu haben. In jeder Lebenslage. Das war eine große Leistung insgesamt von uns allen.

Die Sache mit der Identität, meinem Sinn im Leben, die entglitt mir immer wieder. Ich fühlte mich oft von mir selbst überfordert und vom Leben irgendwie umgangen. Meine Masterthesis damals: Poesie und Wirtschaft. Meine Profs haben mich damit nicht sehr ernst genommen. Das habe ich ihnen übel genommen. Es hat bewirkt, dass ich das Thema für lange Zeit in die Schublade gesteckt habe.

Erst jetzt, 18 Jahre später, kommen diese Themen wieder mit Macht in mein Leben und eine poetische Wortflut überschwemmt die inneren Wüstengebiete. Macht fruchtbar, was vertrocknet und ausgedörrt in mir war und lässt an den Ufern unbekannte Früchte, Blumen und Gräser wachsen. Seltene Tiere finden geschützte Nistplätze. Es entsteht Wortschönheit. Die hat Kraft Leben zu verändern. Auch meins.

Nach einigen Umwegen bin ich jetzt seit 13 Jahren auf Mallorca und habe vor 3 Jahren mit meinem Online Business begonnen. Lebe mit meinem Mann in einem alten Klostertrakt, der viel Raum lässt für Gestaltung, für Projekte, Ideen und Worte. Gemeinsam haben wir ein Buch geschrieben und veröffentlicht, ich habe ein Kinderbuch geschrieben und im Selbstverlag veröffentlicht und ich schreibe Change Maker Poesie, die Menschen in ihren Wandlungsprozessen inspiriert und unterstützt.

Meine Arbeit beschäftigt sich im Schwerpunkt mit den Lebensgeschichten, die noch unerzählt wertvolle Energie blockieren und jetzt darauf warten erzählt und gehört zu werden. Dafür öffne ich geschützte Räume und halte sie. Das macht für mich sehr viel Sinn und es entspricht meinen Fähigkeiten, die ich erworben habe unterwegs. Hören und sehr fein die Prozesse justieren, die dadurch möglich werden.  Passgenaue Räume öffnen sich so und frische Energie ergießt sich  in Form von neuen Möglichkeiten in den leeren Raum.

Mein Story LAB Prozess ermöglicht anderes Hören, Annähern und Überbrücken von Geschichtenlücken, die wir dann füllen.

So gesehen, arbeite ich am inneren Klimawandel, der sich nach aussen überträgt. Es wird höchste Zeit dafür und es macht Sinn, die eigenen Kräfte so einzusetzen.

Mit einem Poem, einer Geschichte, einem WORT. Wahrer Präsenz.

Vielen Dank fürs LESEN!

Gerne biete ich Dir ein Annäherungsgespräch an, wenn Dich meine Themen interessieren und inspirieren. Schreib mir gerne eine Mail an:

info@go-impuls.com

Du findest mich im Internet hier:

https://www.go-impuls.com

 

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