CORONA und der Schweigestoffwechsel

Manchmal, da verschlägt es mir schlicht die Sprache und was ich eigentlich sagen will, das kommt einfach nicht raus. Nichts zu machen. Wenn ich mich anstrenge und konzentriert die Dinge rausbringen möchte, dann purzeln mir die Worte durch mein Hirn wie Buchstabennudeln in kochendes Wasser. Noch nicht einmal ein einziger Buchstabe lässt sich greifen.

Welche Momente, das sind? Meine Schweigemomente, die entstehen, wenn mich etwas berührt … meistens unangenehm. Wenn ich eine Grenze setzen müsste, aber irgendeine alte Erfahrung in meinem System da ein Schweigesignal gesetzt hat. Besser nichts zu sagen, das war früher eine der wesentlichen Fertigkeiten, die ich lernte. So habe ich einiges einfach über mich ergehen lassen. Kennst Du?

Keine peinlichen Fragen an Erwachsene zu stellen. Peinlich in dem Sinne, dass die Erwachsenen mit dem Inhalt der Frage nicht umgehen wollten oder konnten. So sind viele Fragen unbeantwortet geblieben. Einige bis heute und ich kann nicht mehr fragen, weil die Erwachsenen längst gestorben sind.

Es geht weiter mit meinem großen Überblog:

12 Wochen 12 Beiträge 12 Themen rund um Kraft und Lebenskompetenz und das Ankommen in der eigenen Lebensspur in Krisenzeiten wie diesen gerade, als Kriegsenkelin

Heute Thema n°6

Schweigestoffwechsel

 

 

Vieles ahne ich heute mehr als ich es weiß. Gerade sehr aktuell wären das Fragen an meine Mutter. Und Fragen an ihre Mutter … denn zwischen meiner Mutter und ihrer Mutter, da war so eine inhärente Wut spürbar. Manchmal so stark, dass ich es nicht aushielt im selben Raum zu bleiben. Fragen dazu durften nicht gestellt werden. Die Antworten hätten zu sehr geschmerzt. Heute weiß ich das.

Aber diese verschwiegene Wut, die hat mich tief erreicht. Sie hat etwas in mir auch zum Schweigen gebracht. Nämlich meine wahre Wut, die ja nicht schlimm ist. Die eine natürliche Antwort ist auf etwas, das über die eigene Kraft oder die eigene Grenze geht. Hatte ich nicht. Oder sagen wir besser, ich habe meine Wut umgeleitet.

WUTUMLEITUNG

 

So könnte man es nennen. Ich habe sie wie runtergeschluckt, die wahren Gefühle und mit ihnen auch gleich die wahren Worte. Die so heilsam hätten sein können, wenn sie hätten gesprochen werden dürfen. Dann hätte es weitere Worte gegeben und ein Wort hätte das andere ergeben. Bei uns war es eher so:

WENN KEIN WORT DAS ANDERE ERGIBT

 

Dann herrscht Stille. Eisige Stille. Manchmal habe ich meine Mutter heimlich und nur für mich EISPRINZESSIN genannt und hätte sie gerne gegen etwas Kuscheliges ausgetauscht. Aber ich hatte halt die Mutter die ich hatte … und ganz ehrlich: Ich fand sie auch toll, denn sie hatte eine wunderbare Art mit Menschen umzugehen. Meine ganze Familie, das waren Masseure und wir hatten eine ziemlich große und ziemlich gut gehende Massagepraxis.

Als Kinder waren wir dort oft, meisten, immer … und haben zugesehen oder aufgeräumt, oder gebügelt. Da dachte ich manchmal, wie schön es sein muss, dort auf der Liege zu liegen und diese Hände so unendlich lange auf meiner Haut zu spüren.

Respektvolle Berührung … weckt das „ich bin“

 

Wahrscheinlich wunderst Du Dich, wie ich all das jetzt schreiben kann. Es war erst meine Schreibwut, die ich täglich auslebte nur für mich selbst und es war auch mein innerer Frieden, den ich so Wort für Wort machen konnte. Mit ihr, meiner Mutter und ihrer Mutter und deren Mutter und mit all den Müttern in meiner Linie, die sich kein wirkliches Frauenleben leisten konnten.

Sie waren allesamt Frauen ohne Männer, denn die waren der Reihe nach in den Kriegen gefallen. Ihr Leben entwickelte sich auf der Flucht, in Übergangslagern, Heimen …  in einem improvisierten Leben. Ihre ganze Kraft ging ins Überleben und auch den Willen dazu, den hatte meine Großmutter zeitweise aufgegeben.

Dank meiner Mutter und ihrem starken Überlebenswillen als 10 jähriges Mädchen, haben sie beide alle Strapazen überlebt … allerdings war dieser Weg auch der Weg in die Wut über all das Ausgeliefertsein, die ganze Ohnmacht, den Kontrollverlust, die Grenzüberschreitungen, den Mißbrauch, dem nichts entgegenzusetzen war. Nicht als erwachsene Frau, nicht als 10 jähriges Mädchen.

Und diese Wut hatte sich übertragen. Mit noch so manchen anderen Gefühlen, die ich lange nicht einordnen konnte.

Dann hatte ich einen eigenen Schweigestoffwechsel aufgebaut und all das in mir gehaltene Schweigen, das durfte sich Raum nehmen. Sprachraum, Wortraum, Geschichtenraum und je mehr ich schrieb umso mehr schrieb ich. Alles kam raus und ich bin noch nicht am Ende.

Nichts von dem was wir verschweigen verschwindet. Nichts. Kein Wort, kein Gedanke, kein Gefühl, keine Situation. Sie nimmt sich Dein Innenleben und krempelt es um. Im Namen des Schweigens …. alles wird zurückgehalten. Keine Haltung ist diese Art von Zurückhaltung. Sie lässt keinen Platz mehr für wahres Wachstum, wahre Verbundenheit und wahre Liebe.

Sie verschluckt alles in ihrem übergroßen Schlund und irgendwann da kommt der Moment, da verschluckt sie Deine gesamte Existenz. Mit Haut und Haaren. Wenn da nicht der Schweigestoffwechsel wäre mit dessen Hilfe alles verwandelt wird in echte Nähe, wahre Liebe und allen Sinn, den Du machst.

Alleine ist das nicht zu schaffen. Hab ich auch nicht. Sechs Jahre tiefenanalytische Prozessarbeit, 3x die Woche Couch, Trennungen, nirgendwo sein, nirgendwo ankommen, alles auflösen und neu verbinden, stranden im eigenen Leben … und dann die eigene Wortflut mit weit offenen Armen begrüßen. Das war ein grandioser Moment für mich, als die Worte wieder in mein Leben kamen.

Aus meinem Prozess ist meine Arbeit geworden. Meine Erfahrungen sind die Inhalte meiner Projekte. Diesmal allerdings mit weit weniger Zeitaufwand, mit einem ganz anderen Gefühl von Verbundenheit und einer überlaufenden Liebe, die ich in alles gießen kann. Der Schweigestoffwechsel funktioniert und er trägt mich.

Es ist meine weitere Super Power als Kriegsenkelin. Ich verstoffwechsele Schweigen, bis die Worte so klar und kraftvoll aus mir kommen und anderen Menschen in diesen Prozessen helfen ihr eigenes Schweigen zu brechen und die nötigen Worte zu sprechen. Auszusprechen und anzusprechen, was gesagt werden muss. Endlich. Manchmal ist es ein schlichtes, aber nicht weniger kraftvolles „DANKE“.

 

Mein größtes und wichtigstes Projekt ist „Mutterland“ und es ist eben dieser ersten und bedeutenden Beziehung gewidmet, die wir eingehen in unserem Leben: Ihr Herzschlag wurde zu unserem Lebensmantra. Sie hat uns getragen und wir haben sie getragen.

Heute ist es an der Zeit noch einmal zurückzugehen. Den Fluß aufwärts. Unterwegs lösen, was noch ungelöst den Fluß am Fließen hindert. Weiter aufwärts gehen. Die eigene Quelle erreichen … und nochmals aus ihr trinken. Sich neu und tief mit sich selbst und den eigenen Gaben und Fähigkeiten, Sinn und Wert verbinden und die eigene Spiritualität spüren. In allem, was Du berührst und was Dich berührt. Heil werden und GANZ.

Im Mai starte ich mein 3. Mutterland und es wird besonders, denn ich lade Mutter & Tochter gemeinsam ein, dieses Abenteuer zu erleben. Sich gegenseitig auf die Besonderheiten am Wegesrand aufmerksam machen, gemeinsam Neuland entdecken, gemeinsam eine eigene innere Mutterlandkarte entwerfen. Neuen Sinn und Wert aus altem Leid kreieren, tief durchatmen und sich dem Leben ganz hingeben ohne etwas zurückzuhalten.

Wenn Dich das interessiert, lade ich Dich ein zu einem Discovery Call. 1h reserviere ich für unser Gespräch. Es ist kostenfrei und unverbindlich. Wir entscheiden gemeinsam ob wir starten oder noch warten. Hier ist der Link zu meiner Mutterlandseite und der Buchung des Discovery Gesprächs:

MUTTERLAND

Für heute schließe ich diesen Post und danke Dir für Deine Zeit und Aufmerksamkeit. Vielleicht kennst Du jemanden, für den dieses Angebot wesentlich sein könnte. Dann leite den Artikel gerne weiter. DANKE!

Herzensgruß aus meinem Mutterland … Gudrun

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