Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur Change Maker Poetin

Photocredits by Jens F.Kruse Portugal 2019

Wie ich wurde, was ich bin: Zugehörigkeit kommt von Zuhören

Mein Weg vom ungewollten Stillsein ins bewusste Zuhören

Lebensstart in einem Kloster

 

Meine Mutter hatte so viel Lachgas im Körper, dass sie gar nicht wirklich erlebt hat, wie ich auf die Welt gekommen bin. Sie hatte Mumps zu der Zeit und ihr Hals hat wohl ähnliche Ausmaße gehabt, wie ihr Bauch. So die Erzählung. Meine ersten Wochen habe ich deshalb in einem ans Krankenhaus angeschlossenen Klostertrakt erlebt. Dann bin ich nach Hause gekommen und meine Eltern dachten, jetzt würde das normale Leben mit mir beginnen.

Mein kleiner ungehörter Contergan Skandal

Von unbekannt – Bild aus dem Artikel: Henryk M. Broder: Der Kampf der Contergan-Firma gegen die Opfer. In: Die Welt. 15. August 2012; nachbearbeitet, PD-Schöpfungshöhe, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=7586672

 

So war es aber nicht, denn diese Wochen im Kloster, weg von meiner Mutter, die hatten mich ordentlich durcheinander gebracht und ich war ein Schreibaby. Alles andere als normal für meine Eltern.

So habe ich ein damals gängiges Schlafmittel für Erwachsene bekommen: Contergan. Das Schreien hatte ein Ende und erst als in den Nachrichten von den Nebenwirkungen des Contergan berichtet wurde, hat meine Mutter das Medikament abgesetzt. Dann war Ruhe. Auch ohne Contergan.

Ich hatte begonnen, eine gute Zuhörerin zu werden. Feine Antennen waren in meinem Inneren gewachsen und wuchsen weiter.

 

Wie Zuhören plötzlich meine Hauptaufgabe wurde

 

Die Welt der Erwachsenen um mich, die war wie eine undurchsichtige Box in der wir alle waren. Ich habe ziemliche Fähigkeiten entwickelt, aus dieser Box zeitweise auszusteigen. Und sie von aussen zu betrachten. In der Familie, in der Schule, in den anderen Familien, da spürte ich etwas, worüber nicht gesprochen wurde. Und worüber gesprochen wurde, das spürte ich nicht.

Manchmal habe ich dann Fragen gestellt, aber diese Fragen wurden, kaum waren sie draussen, abgeschmettert, wie Volleybälle. Keine Zeit und keine Bereitschaft für Erklärungen oder Gespräche. Ich kannte das Gefühl nicht, dass mir jemand wirklich zuhört.

Also habe ich das in unserer Familie übernommen. Das Zuhören. ( Hier ist der Link zu einem weiteren Blogartikel von mir mit etwas mehr Informationen dazu: https://www.go-impuls.com/corona-und-der-schweigestoffwechsel/ ).Ich wurde immer geschickter darin im voraus zu ahnen, was gebraucht wurde von mir. Welche Haltung, welche Aktion, welche Blicke. Manchmal habe ich auch daneben gelegen oder konnte mich in einen bestimmten Rahmen nicht einpassen. Dann wurde es laut bei uns.

 

Wie wir nach Italien fuhren und ich zum ersten Mal im Ausland war

Fire and Ice on our way to ITALY 1966 Meine Schwester (links) und ich auf dem Weg nach Italien

Eine Hollywoodschaukel war die Attraktion in der Pension in Italien. In der Mitte bin ich!

 

Eines meiner größten Abenteuer war eine überraschende Ferienfahrt nach Italien. Zuerst waren wir als Familie ins Kleine Walsertal gefahren. Es goß aber in Strömen und es war kalt. Meine Mutter schlug eine Weiterfahrt nach Italien vor und wir waren alle begeistert.

Es waren zwei Dinge, die mich bis heute an diese Fahrt erinnern: Die Stimmung meiner Eltern, die so lebeleicht auf einmal wurde unterwegs. So ausgelassen und heiter. Mit jedem Grad mehr Außentemperatur schien ihre Innentemperatur auch deutliche Sprünge zu machen. Das hat uns Kindern richtig gut getan und ich liebte Italien und den Weg dorthin.

Das zweite war der Blick aufs Meer. Mein Vater hatte uns versprochen, wer das Meer zuerst sieht, bekommt ein Eis. Ich sah das Meer und brauchte kein Eis mehr. Es war unbeschreiblich für mich. Ich spüre das Gefühl noch heute. Mein ganzer Körper kribbelte.

Ich liebte das Unterwegssein und ich liebte dieses fremde Land. Das ist geblieben, auch wenn es heute Spanien ist.

 

Warum ich mir den Blinddarm habe rausnehmen lassen und was das mit Mathematik zu tun hat

Es war nicht lange nach diesen Ferien, da kam der Schulalltag zurück und ich war nicht gerade eine Vorzeigeschülerin. Meine Lehrerin mochte mich nicht und ließ mich das auch spüren. Ich mochte sie nicht und ließ sie das wohl auch spüren. Aber mehr aus Verzweiflung und Angst, denn ich war 8 Jahre und da war es einfach üblich, dass Kinder den Erwachsenen zuhören und nicht umgekehrt. Niemand hörte meine Angst und Verzweiflung. Nicht in der Schule und nicht in der Familie.

Ich war nicht gut in Mathe. Wir schrieben eine Mathearbeit von der ich wusste, dass es eine glatte 6 werden würde. Ich konnte nichts. Je näher der Termin kam, umso verzweifelter wurde ich und mir war klar, ich musste eine drastische Maßnahme ergreifen um diese Arbeit nicht mitschreiben zu müssen.

Unsere Praxis lag gegenüber einer Arztpraxis und der Arzt und meine Eltern waren befreundet. Blinddarmentzündungen waren nichts Ungewöhnliches in diesen Zeiten und ich las in unserem Lexikon, wie man spürt, dass man eine Blinddarmentzündung hat.  Kurz darauf begann ich diese Symptome zu entwickeln. Wir gingen zu unserem Arzt, der drückte genau auf die Stelle, die ich innerlich als die entscheidende Stelle notiert hatte. Er ließ los und dann musste es eine Schmerzreaktion auf der rechten Seite geben.

Voilá, die Diagnose war da. Der erste Abschnitt meines Plans war aufgegangen. Verdacht auf Blinddarmentzündung. Dann musste man mir noch Blut abnehmen im Labor um die Leukozyten zu zählen. Alles lief wie am Schnürchen. Nur mit den Leukozyten hatte ich nicht gerechnet, aber ich konnte nicht mehr aus der Nummer raus.

Das Blut wurde abgenommen und in einer Schnellanalyse wurde eine akute Blinddarmentzündung diagnostiziert und ich am selben Tag noch ins Krankenhaus überwiesen. Ich wunderte mich, aber ich wehrte mich nicht. Ich war zu allem bereit und sehr erleichtert, dass mein Plan perfekt funktionierte.

Leider ist er nicht aufgegangen, denn meine Lehrerin hatte nach diesem Befund einfach entschieden, die Mathearbeit zu verschieben und als ich etwa 14 Tage später wieder in die Schule kam: Du ahnst es. Wir haben die Mathearbeit geschrieben. Und es war eine Katastrophe. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wie eine Deutschlehrerin mich wirklich ins Schreiben gebracht hat

Die Sache mit der Grundschule ist nicht wirklich gut ausgegangen, denn ich wurde auf Hilfsschulniveau eingestuft und man hat mir dann aber eine Chance in der Hauptschule gegeben. Während die meisten meiner Freundinnen also auf Gymnasium oder Realschule durften, verschwand ich in einem Hauptschulgebäude und fühlte mich unwohl. Trotzdem habe ich Glück mit den Lehrern und Leserinnen gehabt.

Auf einmal machten mir die meisten Fächer einen großen Spaß. Vor allem Deutsch und ich schrieb einfach nur noch so gute Noten, dass man mich förmlich aus der Hauptschule rausgeworfen hat, weil ich vollkommen fehl am Platz war.

Meine Eltern trauten dem Braten nicht wirklich und so bin ich erstmal auf der Realschule gelandet und hatte dort eine Deutschlehrerin, die meine Art zu schreiben so klasse fand, dass sie die Themen immer auf meinen Schreibstil abgestimmt hat. Also jedenfalls das Jahr, in dem sie meine Deutschlehrerin war.

Ich schrieb eine 1 nach der anderen und war in meinem Element. Endlich konnte jemand etwas mit meinen Geschichten anfangen. Und mit mir.

 

Wieso null Punkte in Mathe mein Abi ganz umgekippt haben und ich wirklich in Bewegung gekommen bin

Ein paar Klassen später hatte ich meine Mittlere Reife in der Tasche und keine Lust auf eine Lehre. Ich habe mich selbst im Gymnasium meiner Wahl angemeldet. Meine Eltern hatten keine Zeit dafür. Die Unterlagen habe ich mitbekommen zur Unterschrift. Das war’s.

Diese drei Jahre in der Oberstufe waren meine schönsten Schuljahre. Ich hatte Udo, der mir meine Matheklausuren schrieb, natürlich mit eingebauten Fehlern . So stand ich in Mathe immer zwischen 3 und 4.  Das war fein. Solange bis Udo die Schule verließ und mich auch. Das war nicht nachzuholen für mich. Da konnte ich mich nicht mehr rausreden. Und mein Blinddarm war auch schon raus.

Ausserdem war ich bereits 18. Ich musste mir etwas Besseres einfallen lassen. Es kam, was kommen musste: 0 Punkte in Mathe. Verzweiflung dann. Kurz. Ich hatte wunderbare Lehrer und auch so tolle Klassenkameraden und Kameradinnen. Ich musste mein Abi umstellen. Wegen diesen 0 Punkten. Mathe blieb also bis zum Abi und es gab kein Entrinnen. Keine Philosophie als 4. Abifach. Die Mathestunden passten da nicht rein.

Was blieb war Sport als 4. Abifach und ich lebte immer noch in dem Glauben, dass ich in Sport quasi noch schlechter bin als in Mathe. Es war ein Drama, aber es war nicht zu ändern. Ich brauchte eine andere Haltung und eine dicke Portion Vertrauen.

Alles lief ganz ungewohnt und anders an, als ich gedacht hatte, denn das 4. Abifach entwickelte sich zu einer wahren Leidenschaft für mich. Jazzdance und Volleyball waren die Sportarten für mich und beide haben jede Zelle von mir elektrisiert. Das lag an den tollen Lehrern und an meinen tollen Klassenkameradinnen und Kameraden. Ich habe jeden Tag trainiert und meine Beweglichkeit wurde größer und größer. Auch meine Lebensbeweglichkeit.

Ich machte das beste Sportabi und überhaupt war alles wie im Traum. Genial.

Wie ich vollkommen neu gefühlt habe während meinem Abitur

Mit all dem Sport veränderte sich auch meine Psyche erheblich und ich wurde immer selbstbewusster und immer mehr vertraut mit meinem Körper. Wir waren ein perfektes Team. Natürlich hat das nicht allen gefallen aus meinem Kurs und eine Mitschülerin, die sich selbst als beste im Abitur gesehen hatte, war sehr enttäuscht, als sie meine Noten hörte.

Das war keine schöne Erfahrung, denn wir waren befreundet und das war erstmal eine Enttäuschung. Aber wir haben sie bei einem Bierchen beerdigt.

Eine wunderschöne Erfahrung war während des Abiturs mit einer anderen Freundin, die mit mir gemeinsam eine Choreografie einstudiert hatte für den Abschluss in Jazzdance.

Wir waren beide während des Abiturs ziemlich aufgeregt und wollten, dass alles perfekt klappt. Sie machte nicht Abi in Sport, sondern tat das allein für mich. Während also die Musik lief und wir die ersten Abschnitte tanzten, ließ sie vollkommen unvorbereitet ein ganzes Stück davon aus. Meine Lehrerin, die die Choreografie genauso kannte wie wir, hatte die Luft angehalten.

Bei mir war es ein ganz kurzer Moment der Überraschung und dann habe ich diesen Part überbrückt und niemand hat etwas gemerkt. Als wir fertig waren, da kam meine Lehrerin zu mir und meine Mittänzerin auch. Es gab eigentlich nichts zu sagen, denn niemand hatte etwas gemerkt. Aber wir drei, wir wussten, wie genial das gelaufen war. Trotz diesem Patzer. Das hat uns tief gefreut und verbunden.

Ich glaube, ich habe dafür meine volle Punktzahl bekommen im Sportabi und es hat mich glücklich gemacht und die Freundschaft zwischen mir und meiner Mittänzerin vertieft. Es war so ein komplicenhaftes Ausbügeln von einem Fehler, der nun einmal passiert. Diese Haltung und auch die Haltung aller Menschen in der Abiphase, haben mein Leben und Fühlen vollkommen revolutioniert.

Es war so viel wohlwollende Zugewandheit zwischen uns, die ich heute noch spüre und für die ich so dankbar bin.

 

Warum ich Dolmetschen und Übersetzen studiert habe

Der Sommer, der dem Abi folgte, der war für mich entscheidend, denn ich wollte eine Ausbildung in Grafik/Design machen. Die Manufaktur, wo ich hinwollte, bildete aber nicht aus und überhaupt gab es nur das Studium. Und das wollte ich nicht. Das war so weit weg von allem, was ich in meiner Familie an Berufen gesehen und erlebt habe.

Alle waren Masseure und Fußpfleger. Oma und Opa, Mama und Papa, meine Schwester und auch mein damaliger Freund. Alle Masseure. Das passte irgendwie nicht mit der Kunst. Niemand machte etwas mit Kunst.  Zugehörigkeit auch beruflich, das war irgendwie sehr wichtig für mich. Mein nächstes Interesse waren Sprachen. Und ich habe mich für Dolmetschen und Übersetzen immatrikuliert.

Das konnte ich gut und Köln war nicht so weit weg und überhaupt waren alle einverstanden mit meiner Wahl. Ja, sogar ziemlich begeistert. Der erste Tag in Lindenthal war aufregend und anstrengend. Zum ersten Mal selbst Kurse zusammenstellen und sich selbst raussuchen bei wem man was belegen will.

Jemand in mir, und ich weiß nicht genau, wer das war, der hat sich in Köln gleichzeitig in einer Fußpflegeschule angemeldet und wollte nebenbei eine medizinische Fußpflegeausbildung machen. Ich war also den ganzen Tag an der Uni und am Abend in der Fußpflegeschule. Das ging das ganze erste Semester so. Dann war ich ärztlich geprüfte Podologin.

Und hab damit meine Eltern überrascht. Aber sie waren gar nicht wirklich überrascht. Es war irgendwie gar nicht so ungewöhnlich für sie und ich bekam eine eigene Fußpflgeecke in unserer Praxis und auch gleich die ersten Kunden. So konnte ich mir mein Studium super selber finanzieren und alles war mehr als perfekt.

Allerdings wuchsen die Anforderungen im Studium enorm und im 3. Semester, ich hatte gerade mein Grundwissen in Spanisch erworben, da musste ich die Antrittsrede von Ernesto Cardenal übersetzen. Es hat Tage gedauert und so ziemlich jedes Wort war falsch. Ich war mega frustriert. Ich wollte das nicht mehr. Tag und Nacht Vokabeln und Grammatik pauken … und dann klappt es trotzdem nicht.

Und auch in meiner Beziehung klappte es nicht wirklich.

 

Wieso ich zwischendurch eine Pause eingelegt habe und Masseurin wurde

Also habe ich mich kurzerhand beurlauben lassen im Studium und bin in die Massageschule nach Duisburg gegangen um auch Masseurin zu werden. Auch diesmal kein Aufschrei meiner Eltern, keine Vorwürfe. Nichts. Wurde ich also auch Masseurin. Und ich habe so durchgeatmet dort. Alles war überschaubar und klar.

Ich wusste, wann ich was machen musste und wann ich fertig war und wieviel Geld ich bekam. Alles war so super einfach. Und ich dachte, dass ich nach Feierabend ja noch genug Zeit haben werden würde für mein Schreiben. Dann habe ich mich in einen Mitschüler verliebt. Und er sich in mich. Meine langjährige Beziehung zu meinem ersten Freund war damit beendet. Die Familien entsetzt. Und ich in einem neuen Leben.

Mein Praktikum habe ich erst im Krankenhaus gemacht und bin dann in eine Beauty Farm nach Teneriffa als Masseurin. Sehr spezielle Erfahrung. Es sollten sechs Monate werden, aber nach drei Monaten war ich wieder zu Hause. Nicht mehr dieselbe wie vor Teneriffa. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, den ganzen Tag an der Liege zu stehen. Teneriffa hatte mir gezeigt, wer ich auch noch sein konnte. Frei und neugierig.

Ich habe mein Studium also wieder aufgenommen und in einem Affenzahn auch beendet, denn die drei Monate Spanien, die hatten mein Spanisch blühen lassen und ich konnte wirklich perfekt weitermachen und viel Freude an meinem Beruf entwickeln. Ich habe es geliebt Verbindungen zu schaffen. Zwischen Menschen, die sich sonst nicht verstehen würden.

Das konnte ich gut, denn das war auch der Job in meiner Familie gewesen. Zuhören und Verbindungen schaffen. Übersetzen, was der andere gemeint hat oder gesagt hat. Spannungen lösen. Prozesse in Fluß bringen. Felder öffnen. Gesprächsfelder. Ordnung auslösen und Frieden. Und irgendwie haben sich meine Bereiche auch immer miteinander verwoben, denn während ich in der Praxis meiner Eltern massiert habe, bekam ich von einer meiner Patientinnen eines Tages unerwartet einen Dolmetschauftrag in einer Textilmaschinenfirma bei uns in der Stadt.

Der Dolmetscher war ausgefallen und sie wusste, dass ich das studierte. Sie hat mir ihr Vertrauen entgegengebracht und mich aus meiner Komfortzone komplett herausgeholt. Ich habe die Aufgabe so gut bewältigt, dass diese Firma mich regelmässig engagiert hat. Auch als ich bereits Mutter geworden war und in München lebte mit meiner Familie.

 

Wie es dazu kam, dass ich mit 44 nochmal in Spanien studiert habe

Mein Zukunftsplan damals am Strand von Santander 2005

Etwas in mir war aber in meinem ganzen bisherigen Leben noch nicht zu Wort gekommen. Es hatte langsam begonnen sich zu Wort zu melden. Etwas lief grundsätzlich nicht gut und ich hatte keine wirkliche Ahnung, was das sein könnte.

Nach der Wortebbe war die Wortflut gekommen … an den Lebenslinien des Atlantik

Etwas hatte mich so aus der Bahn geschmissen, dass ich meine gewohnten Umlaufbahnen für eine Zeit verlassen habe. Sechs Wochen bin ich am Nordatlantik in Spanien gewesen. Habe einfach ein paar Dinge eingepackt und mich von der Familie für diese Zeit verabschiedet. Ich musste mich klären. Musste es klären.

Etwas in mir war wach geworden. Ein Gefühl für mich wieder. So, wie damals bei meinem Sportabi. Ich konnte und wollte nicht so weiterleben, wie ich es tat. Alles war scheinbar perfekt. Haus, Job, Mann, Kinder, Idylle pur im Fünfseenland um München. Aber in mir war keine Idylle. In mir Chaos und Krieg.

Während dieser sechs Wochen kamen die Worte einfach zurück zu mir. Ich begann zu begreifen, dass Worte niemandem gehören. Nicht irgendeinem Menschen, nicht irgendeiner Zeit. Ich durfte sie nehmen und sprechen und schreiben, wie es für mich stimmte. Das war eine wirklich lebensverändernde Erkenntnis und die Worten fluteten mich. Es waren schöne Worte.

Und es waren viele Worte, die nie gesprochen worden waren in unserer Familie. Ich hatte sie nur gespürt. Zwischen den Zeilen gelesen. Ich hatte begonnen mich sehr mit der Geschichte meiner Mutter zu beschäftigen. Es war meine Art der Trauerarbeit, denn meine Mutter war ein Jahr zuvor viel zu früh gestorben.

Aus dieser Arbeit ist eines meiner wesentlichen Formate geworden. Es heißt Mutterland und beschäftigt sich in einem intensiven Mentoring Prozess dieser längsten Beziehung in unserem Leben. Hier findest Du mehr dazu: https://www.go-impuls.com/mutterland

Ich hatte sie mitgenommen dorthin nach Spanien. Wir hatten noch einiges auf unsere Art zu besprechen. Das war nicht ganz leicht, denn ich wusste nicht, wie man mit einem Menschen in Kontakt kommen kann, der nicht mehr da ist. Es ist mir auf meine Art gelungen. Es war ein langer Abschied.

Auf der Rückfahrt von Spanien habe ich mit einem Freund in einem Eiscafé gehockt und wir haben uns gefragt, was wir schon immer tun wollten und nicht getan haben. Für mich war es ein Studium in Spanien. Das kam wie aus der Pistole geschossen. Ich weiß nicht warum, aber Spanien öffnete eine Türe in mir. Ich habe diesen Wunsch nicht wirklich ernst genommen. Aber er war ausgesprochen.

Meine Transfonmationszeit 2004 in Spanien hatte mich verändert
Gut behütet 2020

Und 3 Monate später hatte ich meinen Studienplatz in Spanien an der Nordatlantikküste. Wie es dazu gekommen ist? Das ist eine andere Geschichte. Aber diese hier, die führte mich aus meinem verankerten Leben in ein vollkommen neues Sein. Unerwartet, ungeübt, unbekannt. Es war eine reine Achterbahnfahrt. Mir plötzlich vorstellen zu können an einem anderen Ort zu leben als meine Kinder. Zu studieren mit 44 in Spanien. Ohne wirkliche Computerkenntnisse und auch meine Sprachen 20 Jahre nicht gesprochen zu haben.

Es grenzte an Wahnsinn und meine Umgebung signalisierte mir, dass ich nah an diesem Wahnsinn wäre. Dabei fühlte ich mich in mir aber wach und wirklich. Und wirklich werden, das wollte ich mehr als alles andere. Und das wurde ich auch. Das Studium war mega anstrengend, aber es hat mich wachsen lassen und uns alle. In der Familie, die jetzt vollkommen anders organisiert war. Jeder war an einem neuen Platz gelandet.

Meine Masterthesis  hat sich mit Poesie und Wirtschaft auseinandergesetzt und genau das mache ich jetzt beruflich auch. Meine Profs in Spanien, die haben sanft gelächelt, als sie mein Thema hörten. Niemand hatte wirklich geglaubt, dass ich dazu Material finden würde. Es war genau das Gegenteil der Fall.

„The Management Decision“ hatte genau in diesem Jahr dem Thema „Poesie und Wirtschaft“ eine ganze Ausgabe gewidmet.  Und an der ETH Zürich wurde ich ebenfalls fündig. Es gab genügend Material und ich war begeistert, wie Poesie und Kunst in Unternehmen bereits wirksam eingesetzt wurde und nach wie vor wird.

Es brauchte aber noch einige Jahre, bis ich mein inneres standing aufgebaut hatte. Mit meiner Art Sprache und Wirtschaft.  Erst gab es eine andere Etappe. Ich gründete eine Manufaktur für Reisekissen.

Wieso ich begonnen habe Kissen zu fabrizieren

 

100% natürlich gewachsene Leidenschaft für schöne Träume unterwegs

 

Mein Projekt mit Hierbas de Mallorca und der Serie „Scents of Light“ Signature Kissen für Hierbas de Mallorca

 

Kleine Handschmeichler für unterwegs beduftet mit Hierbas de Mallorca

Nach meinem Studium in Spanien hatten mir alle prognostiziert, dass sich die Firmen um mich reißen würden. Die Kinder groß, die Kenntnisse auf dem neuesten Stand und ich flexibel. Genau das Gegenteil ist aber eingetreten und niemand hat sich wirklich für mich interessiert. Es war exakt eine Firma, die mich als Geschäftsführerin, beinah, eingestellt hätte. Wenn da nicht ein zehn Jahre jüngerer Mitbewerber noch gekommen wäre.

Zu alt, zu wenig erfahren, zu langsam.

Tja, da ist nicht viel übriggebliebene nach der ganzen Plackerei als mich selbstständig zu machen. Da kam mir die Idee mit den Kissen für Menschen, die viel unterwegs sind und keinen richtigen Schlaf finden in Hotelbetten.

Für sie hatte ich mir ein ideales Format überlegt und es „moonme“ getauft. Mit einer Schweizer Näherin gemeinsam bin ich in das Abenteuer Kissenmanufaktur gestartet und wir beide haben es geliebt. Wir haben beduftete Kissen hergestellt aus feinsten Stoffen und sie beduftet mit etherischen Düften von Prof. Wabner. Dazu noch ein kleiner Impulstext von mir.

Alles lief wunderbar, aber die Kosten galoppierten davon und es kamen die notwendigen Einnahmen leider nicht zurück. Ich begann meine Arbeit zu kombinieren mit meiner Körperarbeit und fand im Float in Zürich einen wunderbaren Rahmen dafür. Auch die Kissen haben dort eine kurze Heimat gefunden.

Meine Füsse standen Richtung Zürich und dann ist alles doch ganz anders gekommen.

 

Wie komme ich nach Mallorca mit 50+ und wieso Mallorca und nicht Nordspanien?

 

Unser gemeinsames Buchbaby in dem wir Lebensthemen und Küchenthemen verbinden

Während all dieser Turbulenzen begegnete mir im Internet ein Privatkoch auf Mallorca mit dem ich begonnen hatte, lange und ausführliche Telefonate zu führen.  Wir waren beide ziemlich neu selbstständig und es gab viel Gesprächsstoff und auch viel Neugier. Auf den anderen. In diesem anderen Land.

Nach einem Besuchstag auf Mallorca und weiteren Besuchstagen von ihm bei mir in München und weiteren Telefonaten, da war schnell klar, dass ich bereit war nochmal meine Pläne zu ändern und wirklich nach Spanien zu gehen. ich war gerade 50 geworden und meine älteste Tochter auf dem Weg Mutter zu werden.

Dieses Foto ist in der alten Apotheke entstanden nach einem wunderbaren Abend mit unseren Gästen am TISCH. Das Foto hat Cornelia Jost von uns gemacht … Ich mag es sehr!
Der Tisch war 6 Jahre eine feste Einrichtung in meiner alten Apotheke in Felanitx

Ich habe lange gezögert, ob eine gute Mutter wirklich wegzieht, wenn ihre Tochter Mutter wird, aber ich habe mir ihr Leben angeschaut und bin zu der Überzeugung gekommen: Sie ist groß und stark. Sie schafft das. Es geht. Ich kann gehen und trotzdem für sie da sein, wenn sie mich braucht.

Und so haben wir es dann auch gemacht und ich bin mit meinem ganzen Leben nach Mallorca gezogen. Und hier bin ich also jetzt mit 62 und selbständig unterwegs als LIFE STORY MENTORIN. Begleite Menschen in neue Geschichten. Unterstütze Menschen dabei ihre alten Geschichten  zu befrieden und schreibe Visions Poesie für Menschen in Unternehmen.

Paula & Theo ist eine Geschichte in meinem Leben, die zu Ende gegangen ist
Die Impulsgeschichte Koivu beschreibt den Weg ins eigene innere Licht und ist ein Impuls für Menschen, die ganz zu sich selbst kommen wollen und ihre ganze Fülle leben wollen. Es ist eine Impulsgeschichte, die einlädt sich mit der eigenen Natur zu verbinden und dann auch die Verbindung zur Natur um uns zu feiern. Es ist ein Lebenstanz in dieser Geschichte, der mit Freudentränen endet. Buchbar bei Gudrun Otten; Mallorca, Life Balance Coaching; Vom Spagat in die Balance; Geschichten für Menschen in Führungspositionen
Eine meiner Impulsgeschichten für eine liebe Klientin

 

Gemeinsam haben Jens und ich ein Buch ( Hier der Link zu einem Video von unserer Wohnzimmertour ): 2:17 geschrieben und ich habe zwei weitere Bücher in meinem Portfolio. Sitze hier in einem alten Klostertrakt und bin seit zwei Jahren online unterwegs.  Keineswegs mehr sprachlos.

Hier gibt es einen weiteren Blogbeitrag zu meinem aktuellen Klosterleben: https://www.go-impuls.com/wie-ich-ploetzlich-20-brueder-bekam-und-was-eva-maria-gutt-damit-zu-tun-hat/ )

In diesem Gemäuer finden die phantastischsten Geschichten statt

Das war eine lange Reise rückwärts und jetzt geht es nach vorne. Mit Vollgas!

Vielen Dank an Judith und ihre #boomboomblog2022 Challenge und die wunderbare Energie, die von Dir ausgeht. Du bist eine Anstifterin für mich und für so viele Menschen. Das ist wunderbar.

Hier geht es auf die Seite von Sympatexter: https://www.sympatexter.com.

Am 6. Juni startet eine neue The Blog Bang Episode und bis Samstag kann man sich noch anmelden.

Danke fürs Lesen bis hierhin und wenn Du jetzt Lust auf etwas Süsses bekommen hast, dann schau gerne in meiner Wort Patisserie vorbei. Hier gibt es zuckersüße und bitternötige Impulse. In aller Kürze auf den Punkt gebracht, andere Sätze. Von mir gesprochen für Dich. Hier der LINK zur kostenfreien Buchung:

https://www.go-impuls.com/wort-patisserie/

 

4 Antworten auf „Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur Change Maker Poetin“

  1. Liebe Gudrun, sitze in Warendorf in der Sonne. Auf dem Marktplatz und tauche ein, in deine Lebensreise. Jetzt verstehe ich moonme. Ist doch bei der Kalenderkarte zu mir geflattert. 💕 Danke dir für die Mitreise. Für mich eine Ermutigungsgeschichte und Erinnerung daran, welch wundersame Freiräume sich nach Engstellen immer wieder auftun. Auf zur unbesiegbar Einzigartigkeit.

    1. Liebe Eva,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und ich freue mich, dass es eine Ermutigungsgeschichte ist und sie inspiriert. Gute Geschichten tun das und sie lösen damit neue und gute Geschichten aus. Auf zur unbesiegbaren Einzigartigkeit. Dafür sind wir hier um sie zu feiern und zu teilen mit anderen!

  2. Liebe Gudrun,

    Danke für das Teilen deiner Worte und deiner Geschichte. Ich liebe es zu hören/lesen welche Wege Menschen gehen, um dann Anzukommen bei etwas, was anders gedacht oder gewünscht war. Jetzt in deine Lebensgeschichte einzutauchen, hier in China auf meinem Sofa mit Kaffee, war so sonnige warm und belebend. Danke dafür! Und ja: Change Maker Poetin trifft es ganz gut. Ich bin gespannt wie deine Reise weitergeht.

    Sonnige Grüße aus Suzhou
    Jana

    1. Liebe Jana, vielen Dank für Deine schönen und warmen Kommentar. Ich freue mich, dass meine Geschichte bis zu Dir nach Suzhou gereist ist und Dich inspiriert. So, wie mich Deine Geschichte inspiriert. Und ich bin auch sehr gespannt, wie diese Reise weitergeht.

      Sonnige Grüße zu Dir aus Mallorca und viel Spaß bei der neuen Reise

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